Kinderrheuma: Studie widerlegt Vermutung

Kinderrheuma: Studie widerlegt Vermutung

Beitragvon Chris » Do Apr 15, 2010 10:40 am

von Doris:
Quelle: UKM, 13.04.2010
Kinderrheuma: Studie widerlegt Vermutung
Forscher fanden heraus, dass der Zeitpunkt des Absetzens des
Standardmedikaments Methotrexat nach Erreichen einer Remission keinen
Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls bei JIA hat. Insgesamt
364 Kinder aus 29 Ländern wurden untersucht.

Dass Rheuma nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei Kindern
auftritt, ist in der Medizin längst bekannt. Dank moderner Therapien können
rheumatische Erkrankungen im Kindesalter gut therapiert werden. "Im
Gegensatz zu Erwachsenen kann bei etwa 50 Prozent der Kinder mit
Gelenkrheuma, der so genannten Juvenilen Idiopathischen Arthritis (JIA), die
Krankheitsaktivität sogar langfristig vollständig zurückgedrängt werden. Wir
sprechen dann von einer klinischen Remission. Unklar war bisher, wie lange
die medikamentöse Therapie weiterlaufen muss, um ein Rezidiv der Symptome zu
verhindern", erklärt Prof. Dr. Dirk Föll, Oberarzt der Klinik und Poliklinik
für Kinder- und Jugendmedizin - Allgemeine Pädiatrie - am
Universitätsklinikum Münster (UKM). Er und Mitarbeiter der
UKM-Kinderrheuma-Ambulanz haben aktuell eine Studie zu eben dieser Frage
veröffentlicht.
Rückfallquote in beiden Untersuchungsgruppen gleich groß
Prof. Föll fand in seiner international angelegten Studie heraus, dass der
Zeitpunkt des Absetzens des Standardmedikaments Methotrexat (MTX) nach
Erreichen einer Remission keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines
Rückfalls hat. Insgesamt 364 Kinder und Jugendliche mit JIA in Remission aus
29 Ländern haben Föll und seine Kollegen untersucht. Die Hälfte von ihnen
wurde anschließend sechs Monate mit MTX behandelt, die andere Hälfte erhielt
das Medikament über zwölf Monate. Das Ergebnis: Die Rückfallquote war in
beiden Untersuchungsgruppen gleich groß. "Unsere Studie widerlegt damit
eindrucksvoll die bisherige Vermutung, dass eine längere Weiterbehandlung
mit MTX einen Einfluss auf das Rückfallrisiko hat. Sechs Monate Behandlung
scheinen zu reichen. Für die Patienten bedeutet das natürlich einen
erheblichen Gewinn an Lebensqualität, da sie die Medikamente früher als
bisher absetzen können."
Dauerhafte Einnahme von Medikamenten immer eine Belastung

Der Wirkstoff Methrotrexat gilt in der Behandlung von Juveniler
Idiopatischer Arthritis als Standardtherapie und relativ nebenwirkungsarm.
"Dennoch ist die dauerhafte Einnahme von Medikamenten immer eine Belastung",
weiß Prof. Dr. Dirk Föll. Doch warum erleiden manche Patienten einen
Rückfall, während bei anderen die Erkrankung völlig zum Stillstand kommt?
Auch darauf haben die Münsteraner Mediziner in der Kinderrheuma-Ambulanz
während ihrer langjährigen Forschungen einen Hinweis gefunden: "Wir haben
herausgefunden, dass die so genannten MRP-(Myeloid Related Protein; MRP8/14)
Biomarker im Blut der Patienten anzeigen, ob ein erhöhtes Rezidivrisiko
vorliegt. Bei Kindern mit erhöhtem Risiko macht eine längere MTX-Behandlung
daher Sinn. Wir können nun also fundierte Empfehlungen zur Therapie bei
Rheuma im Kindesalter geben", fasst der UKM-Experte zusammen.

Originlapublikation:
Methotrexate Withdrawal at 6 vs 12 Months in Juvenile Idopathic Arthritis in
Remission
Dirk Foell et al.; Journal of the American Medical Association
303(13)
1266-1273
(2010)
Chris
 
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