Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Beitragvon Chris » So Jun 06, 2010 8:13 am

Quelle: Uni Bonn, 28.05.2010
MRSA: Dem Maurer die Steine klauen
Ein Wirkstoff aus Pilzen und niederen Tieren eignet sich eventuell als Waffe
gegen gefährliche Bakterien. Die Rede ist vom so genannten Plectasin, das
selbst hochresistente Keime zerstören kann. Forscher haben aufgeklärt, wie
die Substanz das macht.

Immer mehr Bakterien sprechen auf gängige Antibiotika nicht mehr an. Das
betrifft vor allem die methicillin-resistenten Staphylokokken: Gegen diese
so genannten MRSA-Stämme sind die Waffen der Pharmaforschung inzwischen
weitgehend stumpf. Nach Schätzungen erkrankt bereits jeder zweite
intensivmedizinisch behandelte Patient in den USA an einer MRSA-Infektion.

Plectasin könnte die Kräfteverhältnisse wieder zu Gunsten der Mediziner
zurechtrücken. Doch wie genau macht das kleine Eiweißmolekül das? Die Bonner
Forscher um Dr. Tanja Schneider und Professor Dr. Hans-Georg Sahl haben
diese Frage zusammen mit dänischen und holländischen Kollegen beantwortet.
Demnach stört Plectasin die Bildung der Bakterienzellwand, so dass sich die
Erreger nicht mehr teilen können.

Diebstahl auf der Bakterien-Baustelle
Plectasin verhält sich dabei wie ein Dieb, der einem Maurer die Steine
klaut. „Es heftet sich an den Zellwand-Bestandteil Lipid II und verhindert
so, dass dieser eingebaut wird“, erklärt Professor Sahl. „Ohne Zellwand sind
Bakterien aber nicht lebensfähig.“ Kein Wunder, dass das wohl bekannteste
Antibiotikum Penicillin ebenfalls die Zellwand-Synthese behindert.

Plectasin ähnelt in seiner Wirkungsweise jedoch eher dem ebenfalls weit
verbreiteten Vancomycin. Vancomycin galt seit den 80er Jahren im Kampf gegen
MRSA-Stämme als Mittel der Wahl. Inzwischen gibt es jedoch mehr und mehr
Bakterien, die auch gegen Vancomycin resistent sind. „Gegen Plectasin sind
diese Stämme jedoch noch empfindlich“, betont Dr. Tanja Schneider. Dennoch
sei auch mit der neuen Substanz das Resistenz-Problem nicht auf Dauer
gelöst. „Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis die Erreger mutieren und
ihnen auch die neuen Medikamente nichts mehr anhaben können“, sagt sie. „Das
ist ein ewiges Wettrüsten.“


Plectasin wurde im Rahmen einer Studie der dänischen Firma Novozymes
entdeckt. Es gehört zu den so genannten Defensinen. Diese Abwehrmoleküle
sind bei Pilzen, Tieren und wohl auch bei Pflanzen weit verbreitet. Der
Mensch bildet beispielsweise Defensine auf seiner Haut und erstickt so viele
Infektionen bereits im Keim. Defensine töten jedoch nicht nur
Krankheitserreger, sondern alarmieren auch das Immunsystem. Daher setzt die
Pharmabranche in sie besonders große Hoffnungen.
Originalpublikation:
Plectasin, a Fungal Defensin, Targets the Bacterial Cell Wall Precursor
Lipid II
Tanja Schneider et al.; Science
328(5982)
1168 - 1172
(2010)


Ein Hoffnungsschimmer auf dem immer trübselig werdenden bakteriellen Abwehrkampf. Wichtig für die Zukunft wird sein, jedes neues Antibiotikum nur bei absolut indizierter Situation zu verordnen, ansonsten ist wirklich zu befürchten, dass das neue Antibiotikum genauso schnell wirkungslos wird wie die bereits gängigen Antibiotoka.
Chris
 
Beiträge: 2591
Registriert: Mi Sep 09, 2009 4:15 pm
Wohnort: Süd-Hessen

Re: Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Beitragvon Barbara » Fr Dez 17, 2010 11:26 am

Hier noch etwas über den Einsatz von Senfölen gegen MRSA:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/art ... mpfen.html
Barbara
 
Beiträge: 208
Registriert: Mo Jul 26, 2010 5:21 pm
Wohnort: Brandenburg

Re: Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Beitragvon Chris » Fr Dez 17, 2010 2:00 pm

sehr interessant, hilft doch kaum noch AB gegen MRSA!
und außerdem hilfts gegen Influenzaviren und Schweinegrippe:
"...Die Arbeitsgruppe um Pleschka hat jetzt untersucht, inwieweit diese Senföle in vitro auch gegen Influenza-Viren wirken. Dabei fanden sie, dass jedes der drei genannten Senföle die Virusvermehrung in mit pandemischen H1N1-Viren infizierten Kulturen humaner Lungenepithelzellen um rund 90 Prozent reduziert."
Ich frage mich jetzt, wie ich diese im Falle eines Falles einnehme bw. wo bekomme?
Einfach Meerettich angemacht aus dem Glas essen? oder einen ganzen Meerettich auf dem Markt kaufen und reiben? ist aber viel zu viel.
und gibtst du Pferdi auch Meerettich?
Chris
 
Beiträge: 2591
Registriert: Mi Sep 09, 2009 4:15 pm
Wohnort: Süd-Hessen

Re: Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Beitragvon Barbara » Mi Dez 22, 2010 8:23 am

Angocin Anti-infekt N heißt eine standartisierte Mischung in Kapsel(?)form für Menschen. Ob man das für Pferde auch nehmen kann weiß ich nicht. Meinen bräuchte ich mit Rettich oder Senf glaube ich nicht zu kommen... :D
Naturheilkundlich kenne ich noch Rettichsaft bei Husten. Da höhlt man einen Rettich etwas aus, tut Honig rein und läßt das dann einen Tag lang ziehen. Müßte mal nachschauen, wie das konkret gemacht wird. Außerdem kenne ich Senf für äußerliche Anwendung als Senfpflaster bei Nasennebenhöhelentzündungen und Senfwickel bei Erkältungen bzw. Senffußbädern zum durchwärmen.Auch Kapuzinerkresse verdankt ihre "antibiotische", entzündungshemmende Wirkung ihren Senfölen.
Barbara
 
Beiträge: 208
Registriert: Mo Jul 26, 2010 5:21 pm
Wohnort: Brandenburg

Re: Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Beitragvon Jananorm » Mi Dez 22, 2010 1:32 pm

Bei Senfwickeln - oder generell - sollte man vorher die Verträglichkeit testen! Hatte eine Kollegin, die allergisch reagiert hat und schwere Hautschäden dadurch erlitt. Ist also nicht ohne, dieses Hausmittel.
Jananorm
 

Re: Plectasin gegen Staphylococcus aureus /MRSA

Beitragvon Barbara » Mo Jan 03, 2011 8:19 am

Das ist richtig. Ich würde diese Empfehlung sogar generell für alle äußerlichen Anwendungen von ätherischen Ölen jeder Art aussprechen.
Barbara
 
Beiträge: 208
Registriert: Mo Jul 26, 2010 5:21 pm
Wohnort: Brandenburg


Zurück zu Wissenswertes allg., Co-Infektionen



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron