Emulgatoren

Emulgatoren

Beitragvon Chris » So Jan 24, 2016 6:01 pm

Emulgatoren: Colitis zum Frühstück
13. April 2015 von HP M. Mosbach

Nachdem im letzten Jahr die Süßstoffe als mögliche Verursacher einer Glukoseintoleranz in Verdacht gerieten, häufen sich nun die Hinweise, dass auch Emulgatoren mitverantwortlich für den immensen Anstieg entzündlicher Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten sind.

Wissenschaftler konnten in einer aktuellen Studie an Mäusen zeigen, dass Emulgatoren das metabolische Syndrom, Übergewicht und chronische Entzündungen im Darm fördern können. Die Mediziner um Andrew Gewirtz und Benoit Chassaing von der Georgia State University vermuten, dass der steigende Einsatz von Emulgatoren in der Lebensmittelindustrie und die Zunahme von entzündlichen Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten eng miteinander verknüpft sind, wie sie im Fachmagazin „Nature“ schreiben. Denn sowohl das metabolische Syndrom als auch chronische Darmentzündungen gehen mit einer veränderten Zusammensetzung der Darmflora einher.

„Trotz des konstant bleibenden menschlichen Genoms haben diese Erkrankungen dramatisch zugenommen. Da liegt der Verdacht nahe, dass ein Umweltfaktor maßgeblich daran beteiligt ist“, so Chassaing, und weiter: „Was wir essen, hat einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Darmflora, daher haben wir geprüft, ob moderne Lebensmittelzusätze Darmbakterien so verändern, dass sie Entzündungen vermehrt fördern.”

In ihren Versuchen testeten die Wissenschaftler die Auswirkung zweier gängiger Emulgatoren, Polysorbat 80 und Carboxymethylcellulose (CMC) auf die Darmflora von Mäusen. Dabei setzten sie die Stoffe dem Trinkwasser von Mäusen in einer Konzentration zu, wie sie auch in Lebensmitteln auftritt (1 %).

Emulgatoren verändern Darmflora


12 Wochen lang nahmen die Mäuse die Emulgatoren zu sich, bevor die Wissenschaftler den Dickdarm der Tiere untersuchten. Wie auch beim Menschen besiedeln zahlreiche, unterschiedliche Mikroorganismen den Dickdarm von Mäusen. Normalerweise sind die Mikroorganismen durch eine Schleimschicht von den Epithelzellen der Darmwand getrennt.

Haben die Darmbakterien keinen Kontakt zu Emulgatoren, bleibt der Abstand zu den Epithelzellen stets gewahrt. Durchschnittlich nähern sich die Bakterien der Darmwand dann bis auf 25 Mikrometer, höchstens auf zehn Mikrometer, so die Forscher. Mit dem Kontakt zu Emulgatoren verringerte sich dieser Abstand auf die Hälfte, manche Bakterien hatten sogar direkten Kontakt zu den Epithelzellen. Die schützende Schleimschicht wurde dünner.

Doch die Bakteriengemeinschaft rückte nicht nur näher an die Darmwand heran, die Emulgatoren änderten auch die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms: Die Forscher fanden weniger der als gesundheitsfördernd geltende Bakteriengruppe der Bacteroidales. Schleimlösende Keime wie Ruminococcus gnavus oder entzündungsfördernde Proteobacteria schienen sich hingegen in Gegenwart der Emulgatoren deutlich zu vermehren. Die neue Bakterienflora produzierte vermehrt Flagellin und Lipopolysaccharide, die wiederum pro-inflammatorische Gene über das Immunsystem aktivieren können.

Entzündungsstärke je nach Vorbelastung

Mäuse mit einer genetischen Prädisposition für entzündliche Erkrankungen litten besonders unter dem emulgatorenreichen Wasser und reagierten mit Dickdarmentzündungen. Doch selbst bei Wildtyp-Mäusen konnten die Forscher stärkere, entzündliche Reaktionen nachweisen. Unter der Emulgatoren-Diät hatten die Tiere einen gesteigerten Appetit und nahmen auch stärker zu als Mäuse, die normales Wasser tranken.

Sterile Mäuse reagieren nicht auf Emulgatoren

„Es sieht so aus, als förderten Emulgatoren bei genetisch vorbelasteten Wirten eine ausgeprägte Colitis und führen bei Wildtyp-Wirten zu niedriggradigen Entzündungen“, schreiben die Forscher. Diese Entzündungen könnten das metabolische Syndrom begünstigen.

Sterile Mäuse – also Tiere mit unbesiedeltem Darm – zeigten keine Reaktion auf die Emulgatoren-reiche Ernährung. Transplantierten die Forscher jedoch die
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