Erfahrungsberichte Bornainfektion + Amantadinbehandlung

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Chris
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Erfahrungsberichte Bornainfektion + Amantadinbehandlung

Beitrag von Chris » Mi Dez 16, 2009 6:29 pm

Ich habe hier die anonymisierten Fallberichte bzw. Erfahrungsberichte von 3 Menschen eingebaut, die mir persönlich bekannt sind und die ihre Erfahrungswerte anderen Betroffenen als Hilfe zugänglich machen möchten:
1) casereport von unserer Gesundheitstagung über eine Frau eingestellt, die nach 8 Jahren Amantinbehandlung mit der Einnahme aufhörte und 3 Monate später einen Suizidversuch unternahm. Die Ergebnisse des Bornatestes zeigen einen Verlauf, der nicht analog den Symptomen verläuft.
casereport Bornainfektion.pdf
2. Wie auch immer, ich bin den Bornaforschern sehr dankbar: Dank Amantadin (plus Trevilor, das ja aber nur dank Amantadin wirken konnte) gab es bei meinem Vater wenigstens heitere Momente während seiner letzten Lebensjahre (er ist im April 2008 verstorben) und ansonsten war er antriebsarm, aber nicht mehr völlig antriebslos, musste sich nie mehr wütend gegen "Zumutungen" (Essen, Trinken, Waschen, ...) wehren wie monatelang vor Beginn dieser Behandlung, hat sich an Unterhaltungen beteiligt.

Ich sehe bei meinen Besuchen im Pflegeheim immer einige Patienten, die die gleichen Symptome zeigen: Teilnahmslosigkeit und aggressive Abwehr. Dann denke ich immer, denen könnte es wahrscheinlich besser gehen und dem Pflegepersonal und den Verwandten auch; man müsste mal einen Bornatest machen.
Depressive Menschen, die nicht sprechen, bekommen sehr wenig Besuch - davon wird's nicht gerade besser. Die meisten Besucher kommen nicht klar damit, wenn ein Mensch weder Freude zeigen kann, weil er keine empfinden kann, noch sprechen will und der, wenn er etwas äüßert, nur Negatives von sich gibt.
Die Besuchshäufigkeit in diesem Pflegeheim ist sonst sehr gut, die meisten Bewohner haben ihre Verwandten in der Nähe, wären nur wegen Berufstätigkeit zuhause nicht gut versorgt. Mit körperlichen Behinderungen, Schlaganfallfolgen und Demenz kommen Verwandte und Freunde klar, mit Depressionen nicht, da bleiben sie weg. Ich konnte in der schlimmsten Zeit ja auch nur lange bei meinem Vater aushalten, weil ich mich intensiv mit dem Thema befasst hatte; nur das Verstehen ließ mich wissen, dass es dennoch wichtig war, ihn möglichst wenig allein zu lassen, auch wenn er ständig signalisierte "Lass mich in Ruhe". Aber ohne psychische Belastung für mich war es erst wieder, als es ihm dank der Behandlung besser ging. Da konnten wir beide wieder Freude empfinden, wenn wir zusammen waren.

Deshalb meine Bitte an die Forscher: Macht weiter, informiert die Ärzte, Eure Arbeit wird unzähligen Menschen das Leben erleichtern, Betroffenen ebenso wie denen, die mit ihnen zu tun haben. Danke!

Liebe Christel, grüße bitte Prof. Ludwig von mir. Vielleicht druckst Du ihm diese E-Mail einfach aus.
Auch Dir bin ich immer dankbar, denn ohne Deine Veröffentlichungen in der Koppel und auf der Homepage wäre ich vermutlich nicht dazu gekommen, mich mit dem Thema zu befassen und die wissenschaftlichen Schriften zu lesen.
Liebe Grüße

3. folgt demnächst
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Chris
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Re: Erfahrungsberichte Bornainfektion + Amantadinbehandlung

Beitrag von Chris » Mi Feb 03, 2010 10:41 pm

3. Bericht, anonymisiert, Name bekannt:
Bornavirus: Ein Familienbericht:

Vater: zunehmend depressiv seit 28 Jahren (nach dem 2. Herzinfarkt); 1991 Bypass-OP, 2001 Lungen-OP (rechtzeitig und erfolgreich); danach entwickelte sich nach und nach eine ausgeprägte Major Depression, therapieresistent bzw. Unverträglichkeit von Serotoninaufnahmehemmern (nur Fluoxetin wurde vertragen, verlor aber die Wirkung) und mit völliger Antriebslosigkeit und sehr aggressiver Abwehr. Teilnahmslosigkeit und Desinteresse. Durch totale Antrieblosigkeit wurde die körperliche Verfassung immer schlechter bis hin zur völligen Bettlägerigkeit , den Arm unter der Bettdecke hervorzunehmen war ihm zu viel, und die aggressive Abwehrhaltung machten Pflege fast unmöglich; folglich noch mehr Probleme mit dem Trinken als ohnehin oft bei älteren Menschen. Auch infolgedessen massiver körperlicher Abbau.

Bornatest im Nov. 2005: Antikörper (+), Antigene im Plama -, Zirk. Immunkomplexe +

Seit Dezember Amantadin, seit Januar zusätzlich Trevilor. Deutliche Besserung. Aggressive Abwehr ist weg, Antriebslosigkeit ist gemildert; Aufsitzen , Gehen, Krankengymnastik auf einfache Aufforderung hin geht. Er spricht wieder und zeigt gelegentlich Interesse. Körperlicher Aufbau schreitet (natürlich altersgemäß langsam) voran.

Mutter: Seit Jahren Fibromyaliesymptome (Triggerpoints, "Schmerzen überall), (teilweise? nervös bedingte) Herzerkrankung, sporadisch spontan auftretende kolikartige Bauchschmerzen ... kein Tag ohne Beschwerden, teils entzündlich, teils nicht. Durch Überforderung (s. o.) Konzentrationsstörungen und weitere Beschwerden, unklare, schankende Entwicklung in Richtung bipolarer Störungen wegen Tatbestand der Überforderung schwer zu beurteilen.

Bornatest im Februar 2006: Antikörper (+), Antigene im Plama -, Zirk. Immunkomplexe +

Aktuell Muskelentzündungen und Makuladegeneration festgestellt, Sehnervkontrolle steht aus. Amantadinbehandlung vom Hausarzt ins Auge gefasst.

Vater hatte die Depressionen schon vor der ersten OP mit Bluttransfusionen, nach der Lungen-OP haben sie sich allerdings massiv verstärkt, wofür es mehrere mögliche Erklärungen gibt.
Und bei der Mutter wäre es sehr schön, wenn ein großer Teil ihrer Beschwerden und Erkrankungen mit dem Virus zu erklären wäre; der Hausarzt geht zwar nicht davon aus, hätte aber nicht direkt etwas dagegen.

Als ich im Krankenhaus den Bornatest für meinen Vater haben wollte,
hielt der Neurologe das für höchst überflüssig, sagte mir und schrieb es so dem Chefarzt ins Konsil: " ... beeinflusst von einer belanglosen Randgruppenmeinung". Es war dann mithilfe einiger Ausdrucke und dem Hinweis auf die Arbeitsgruppe Depression an der MH Hannover (Dr. Dietrich) aber doch möglich, den Labortest zu bekommen.

Mein Dank gilt der "Randgruppe", allen jenen, die - teilweise unter widrigsten Umständen - unermüdlich forschen und Ergebnisse veröffentlichen, Herrn Prof. Dr. Hanns Ludwig, Frau Dr. Liv Bode und ihren Teams, auch den anderen Forschern im In- und Ausland; aber auch all jenen, die sich als Laien intensiv mit dem Thema befassen und um Öffentlichkeit bemühen, allen voran hier an dieser Stelle Chris, ohne die ich wohl nie auf das Thema Bornavirus aufmerksam geworden wäre.
Meinem Vater geht es immerhin besser (und das ist sehr viel in seinem Alter und körperlichen Zustand!) und ich denke, dass auch meiner Mutter mit diesem Ansatz geholfen werden kann, das werden wir in den nächsten Wochen sehen.
Der Augenarzt sagte übrigens schlicht, ihm wäre bekannt, dass es vereinzelt Fälle von Retinaschädigung durch Bornavirus gibt.

Ein bisschen Mut machen möchte ich denen, die Schwierigkeiten haben, einen aufgeschlossenen Arzt zu finden:

Mit einem positiven Befund vor Augen und einem Patienten mit Symptomen, derer man anders nicht Herr wird, wird auch ein Arzt, der vorher nicht mit dem Thema vertraut war, sich mit dem Thema befassen.

Wir dürfen nur nicht erwarten, dass der Arzt so viel Zeit zum Lesen aufbringen kann wie wir und es m. E. steht es ihm zu, zunächst skeptisch zu sein. Aber schon der erste Patient mit erfolgreicher Behandlung wird das Interesse verstärken und die Ärtze tauschen ja auch untereinander Erfahrungen aus.
Wenn sich bei den Humanmedizinern ähnlich schnell wie bei doch mittlerweile sehr vielen Tierärzten die Erkenntnis durchsetzt, dass man Bornavirus nicht länger ignorieren kann, stehen die Chancen für die Betroffenen gar nicht so schlecht.

Das Antidepressivum, das zusammen mit Amantadin meinem Vater hilft, heißt Trevilor. Ein modernes, eher teures Mittel, man muss vielleicht den Arzt in die Richtung schubsen. Ein Borna-Patient, bei dem das hilft, ist jedenfalls bekannt. Jetzt ist es höher dosiert worden - und mein Vater hat heute von sich aus den Fernseher angemacht - ein Riesenerfolg bei ihm! Ist ja alles relativ - er ist 84 Jahre alt.
Fluoxetin (meist das erste, das versucht wird) hatte die Wirkung verloren, Citalopram und Sertralin hatten schlimme Nebenwirkungen (extreme Verwirrtheit).
Du kannst zu Antidepressiva in der Anlage ein bisschen was lesen, hilft beim Gespräch mit dem Arzt.

Die einfachste Art, den Serotoninspiegel zu heben, ist die Gabe von Tryptophan, der Aminosäure, die die Vorstufe zu Serotonin ist. Dazu kannst du in Wikipedia etwas nachlesen. Man bekommt es in der Apotheke oder bei http://www.eifelsan.de
MS wird mit Borna in Zusammenhang gebracht - Parkinson auch? Ein Großvater meiner Mutter hat "wegen Parkinson" Selbstmord begangen, also, sie dachte und ihre Eltern dachten, das wäre gewesen, weil "Schüttelnervlähmung" damals noch "peinlich" war. Aber ich kenne nur Depressionen, nicht Peinlichkeitsgefühl als Motiv für Suizid ...

2. Teil:
Ich weiß ja bis heute nicht, warum meine Eltern schwach positiv getestet wurden, mein Pferd und ich jedoch nicht. Bei meinem Pferd waren die Symptome nach Engystol und Lysin weg, der Test war kurz danach; Herpes stand mit Sicherheit im Vordergrund bei ihr, denn die Kur hat sie nach einer Blasenlähmung bekommen; den komplett negativen Bornatest hatte ich bei ihr trotzdem nicht erwartet.

Wie auch immer, ich bin den Bornaforschern sehr dankbar: Dank Amantadin (plus Trevilor, das ja aber nur dank Amantadin wirken konnte) gab es bei meinem Vater wenigstens heitere Momente während seiner letzten Lebensjahre (er ist im April 2008 verstorben) und ansonsten war er antriebsarm, aber nicht mehr völlig antriebslos, musste sich nie mehr wütend gegen "Zumutungen" (Essen, Trinken, Waschen, ...) wehren wie monatelang vor Beginn dieser Behandlung, hat sich an Unterhaltungen beteiligt.

Ich sehe bei meinen Besuchen im Pflegeheim immer einige Patienten, die die gleichen Symptome zeigen: Teilnahmslosigkeit und aggressive Abwehr. Dann denke ich immer, denen könnte es wahrscheinlich besser gehen und dem Pflegepersonal und den Verwandten auch; man müsste mal einen Bornatest machen.
Depressive Menschen, die nicht sprechen, bekommen sehr wenig Besuch - davon wird's nicht gerade besser. Die meisten Besucher kommen nicht klar damit, wenn ein Mensch weder Freude zeigen kann, weil er keine empfinden kann, noch sprechen will und der, wenn er etwas äüßert, nur Negatives von sich gibt.
Die Besuchshäufigkeit in diesem Pflegeheim ist sonst sehr gut, die meisten Bewohner haben ihre Verwandten in der Nähe, wären nur wegen Berufstätigkeit zuhause nicht gut versorgt. Mit körperlichen Behinderungen, Schlaganfallfolgen und Demenz kommen Verwandte und Freunde klar, mit Depressionen nicht, da bleiben sie weg. Ich konnte in der schlimmsten Zeit ja auch nur lange bei meinem Vater aushalten, weil ich mich intensiv mit dem Thema befasst hatte; nur das Verstehen ließ mich wissen, dass es dennoch wichtig war, ihn möglichst wenig allein zu lassen, auch wenn er ständig signalisierte "Lass mich in Ruhe". Aber ohne psychische Belastung für mich war es erst wieder, als es ihm dank der Behandlung besser ging. Da konnten wir beide wieder Freude empfinden, wenn wir zusammen waren.

Deshalb meine Bitte an die Forscher: Macht weiter, informiert die Ärzte, Eure Arbeit wird unzähligen Menschen das Leben erleichtern, Betroffenen ebenso wie denen, die mit ihnen zu tun haben. Danke!

Liebe Christel, grüße bitte Prof. Ludwig von mir. Vielleicht druckst Du ihm diese E-Mail einfach aus.

Auch Dir bin ich immer dankbar, denn ohne Deine Veröffentlichungen in der Koppel und auf der Homepage wäre ich vermutlich nicht dazu gekommen, mich mit dem Thema zu befassen und die wissenschaftlichen Schriften zu lesen.

Liebe Grüße

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